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DIE WELT

Blutdruck am Knöchel warnt vor drohendem Herzinfarkt

22. Januar 2003

Von Norbert Lossau

In einer groß angelegten Studie soll in Deutschland erstmals die Verbreitung der „Arteriellen Verschlusskrankheit“ erforscht werden

In Deutschland sind rund 4,5 Millionen Menschen von der Arteriellen Verschlusskrankheit (AVK) betroffen, schätzt Professor Curt Diehm vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Bei der AVK verstopfen Blutbahnen, die zu den Gliedmaßen führen. So kann es zu einer Unterversorgung der betroffenen Körperteile kommen. 40 000 Amputationen, meist der Beine, sind Jahr für Jahr die Folge. Experten befürchten, dass es eine große Dunkelziffer von AVK-Patienten gibt, die erst einen Arzt aufsuchen, wenn sie schon massive Gehbeschwerden haben. In einer groß angelegten, von Professor Hans-Joachim Trampisch von der Universität Bochum koordinierten Studie soll nun in Deutschland erstmals flächendeckend herausgefunden werden, wie häufig die AVK tatsächlich ist und wie rechtzeitig man sie entdecken kann.

Das frühzeitige Erkennen eines AVK-Risikos wäre besonders im Hinblick auf drohende Herzerkrankungen und Schlaganfälle von größter Bedeutung. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit sind auch feine Blutgefäße in Herz und Gehirn von Verschlüssen bedroht, wenn diese in peripheren Blutwegen auftreten. Tatsächlich sterben bislang noch 70 Prozent der erkannten AVK-Patienten an einem Herzinfarkt. Ihre Lebenserwartung ist um fast zehn Jahre verringert.

Die Studie, an der sich in den kommenden Jahren 344 Praxen in ganz Deutschland beteiligen, trägt den Namen „getABI“. Diese Abkürzung steht nicht für eine bildungspolitische Forderung, wie man vielleicht im ersten Moment denken könnte, sondern für die im Rahmen der Studie angewandte Diagnosemethode. Gemessen wird nämlich der so genannte Knöchel-Arm-Index, der das Verhältnis der Blutdrücke zwischen Fuß und Arm wiedergibt. Im angelsächsischen Sprachraum heißt diese Methode „Ankle Brachial Index“ kurz ABI.

Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass ein ABI-Wert von kleiner als 0,9 - dies bedeutet, dass der Blutdruck im Fuß weniger als 90 Prozent des Blutdrucks im Arm beträgt als Kriterium zur Diagnose von AVK angesehen werden kann. Gemessen wird dabei jeweils der systolische, also der obere der beiden Blutdruckwerte.

An der deutschen getABI-Studie nehmen 3975 Frauen und 2905 Männer im Alter zwischen 65 und 95 Jahren teil. Aus den ersten verfügbaren Teildaten lässt sich bereits deutlich ein Trend erkennen, der für die ABI-Untersuchung als sinnvolle Methode der Früherkennung spricht. Bei fast 40 Prozent der Patienten mit AVK wurde auch eine Erkrankung der Herzkranzgefäße festgestellt sowie bei rund 17 Prozent ein hohes Risiko für Schlaganfälle.

Damit lässt sich bereits vor dem Abschluss der Studie sagen, dass mit der vergleichsweise simplen und preiswerten Messung von Blutdruckwerten eine erhöhte Gefahr für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erkannt werden kann. Eine vorbeugende Behandlung könnte sodann in vielen Fällen noch das Schlimmste verhindern.

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