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Neue S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
Neue Leitlinie für die Praxis!
Die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) gehört zu den häufigsten Gefäßerkrankungen im klinischen Alltag. In den letzten Jahren haben sich hinsichtlich der Erkrankung vielfältige neue Erkenntnisse ergeben.
Die Häufigkeit der PAVK ist altersabhängig und steigt mit höherem Lebensalter an. Ab 65 ist jeder fünfte betroffen, wie die getABI-Studie belegt hat. Die Patienten haben eine schlechte Prognose und sie sind häufig unterdiagnostiziert und unterversorgt.
Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Curt Diehm und Dr. med. Holger Lawall, beide vom SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach und Mitglieder in Vorstand und Beirat der DGA (Deutschen Gesellschaft für Angiologie, Gefäßmedizin) wurden soeben neue Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) erstellt. Diese Leitlinien richten sich gezielt nach deutschen Gegebenheiten und bietet erstmalig für die betroffenen Patienten, die behandelnden Hausärzte und Fachärzte sowie Gefäßspezialisten, die Kostenträger und weitere Beteiligte im Gesundheitswesen eine wissenschaftlich fundierte Aussage mit Behandlungsempfehlungen zum Management von Patienten mit PAVK. 23 Fachgesellschaften und Organisationen erarbeiteten diese neuen Leitlinien.
Die Leitlinie ist vor kurzem unter der Homepageseite der AWMF-online.de (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 065/003, Entwicklungsstufe 3+IDA) publiziert worden.
Zur Diagnostik hat die Knöcheldruckmessung zur Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes (ABI) die größte Bedeutung.
Beim ABI gilt ein Wert von unter 0,9 als beweisend für eine relevante PAVK. Im zweiten Schritt wird dann eine farbkodierte Duplexsonographie der Aorta und der Beckenarterien gemacht. Im blauen Feld in der rechten Spalte finden Sie einen Link mit einem Film zur ABI-Messung.
Die Behandlungsziele bei der PAVK sind:
- die Hemmung des Fortschreitens der Erkrankung
- die Verminderung des Risikos für vaskuläre Ereignisse (wie Herzinfarkt und Schlaganfall)
- die Verbesserung von Belastbarkeit, Gehleistung und Lebensqualität.
Dazu ist es selbstverständlich wichtig, die Risikofaktoren zu vermindern:
- Rauchern sollte ein Programm aus ärztlicher Betreuung, Gruppentherapie und Nikotinersatz angeboten werden. Nikotinstop ist dringend erforderlich!
- Für das LDL-Cholesterin gilt ein Zielwert von unter 100 mg/dl.
- Zur Sekundärprävention von kardiovaskulären Ereignissen werden bei hohen Fettwerten fettsenkende Medikamente (Statine) empfohlen.
- Beim Blutzucker sollte ein HbA1c-Wert von unter 7 Prozent angestrebt werden.
- Bei Patienten mit PAVK und Hypertonie gilt ein Zielblutdruck von unter 140 zu 90 mmHg, bei Diabetes von unter 130 zu 80 mm Hg.
- Zur Sekundärprävention von kardiovaskulären Ereignissen ist ein Thrombozytenfunktionshemmer bei asymptomatischer und symptomatischer PAVK indiziert. Sowohl ASS als auch Clopidogrel reduzieren die kardiovaskuläre Ereignisrate bei symptomatischer PAVK.
- Strukturierte Gefäßtraining in Gefäßsportgruppen wird dringend empfohlen.
- Vasoaktive Substanzen sind im Stadium der Claudicatio intermittens nur dann einzusetzen, wenn die Lebensqualität eingeschränkt ist und die Gehstrecke unter 200 Metern liegt und ein Gehtraining nur eingeschränkt möglich ist. Medikamente der Wahl sind dann Cilostazol oder Naftidrofuryl.
Die vollständige Leitlinie mit den Empfehlungen sowohl zur Claudicatio intermittens (intermittierendes Hinken) als auch zur kritischen Extremitätenischämie (Ruheschmerzen und Gangrän) können unter
Link AWMF - Uni Düsseldorf ... und unter Link AWMF-Leitlinien-Register ... abgerufen werden.
Der Hans-Huber-Verlag, Bern bietet in der Zeitschrift VASA ein Sonderheft (Suppl. 75, Vol. 38) an.