Karlsbader Klinikfenster
2. Ausgabe 2006
Bald Hilfe bei Schaufensterkrankheit?
Neue Gentherapie-Studie lässt hoffen
In der Inneren Abteilung mit dem Schwerpunkt Gefäßmedizin ist vor kurzem eine neue Gentherapie-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Curt Diehm und Dr. med. Holger Lawall gestartet. Mit der „WALK“-Studie soll an Patienten, die an der so genannten Schaufensterkrankheit leiden, die potenzielle Wirksamkeit und Sicherheit eines neuen Medikamentes getestet werden.
Das HIF genannte Präparat wurde von Forschern des amerikanischen Biotech-Unternehmens Genzyme Corporation entwickelt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es eng mit einer körpereigenen Substanz verwandt ist.
Mit Hilfe von HIF soll ein bestimmtes Gen in die Zellen der Beine gelangen und dort dafür sorgen, dass aus den vorhandenen Blutgefäßen neue Blutgefäße wachsen. Auf diese Weise soll die Durchblutungssituation der Beine wieder verbessert werden, so dass die Patienten erneut länger gehen können. Mittel- und langfristig wird damit die Hoffnung verbunden, dass heute noch unvermeidliche Amputationen bei betroffenen Patienten zukünftig durch eine medikamentöse Therapie zu verhindern sind.
Sauerstoffversorgung ausschlaggebend für Mobilität
Bei der Schaufensterkrankheit kommt es beim Gehen oder bei körperlicher Betätigung zu Schmerzen in den Beinen, vorwiegend in den Waden. Diese sind auf eine Durchblutungsnot in den Becken-Bein-Arterien zurückzuführen. Durch Verengungen oder Verschlüsse in diesen Gefäßen wird der Muskel nicht mit genügend Sauerstoff versorgt, er verkrampft und die Betroffenen müssen kurze Zeit stehen bleiben. Ist der Muskel wieder mit Sauerstoff versorgt, kann der Betroffene wieder einige Meter gehen. Dieser Ablauf kann sich nach 150 oder 200 Metern wiederholen. Die nun gestartete Studie setzt genau an diesem Punkt der Funktionsfähigkeit der Muskelgefäße an. In Frage kommende Patienten werden nach dem Zufallsprinzip einer von drei Dosierungen des experimentellen Gentransferpräparates zugeordnet. Hierbei kann es sich entweder um eine von drei HIF-Dosierungen oder um ein Placebo handeln. Das Studienpräparat wird an einem einzigen Tag mit mehreren Injektionen in die Muskeln des Beines verabreicht.
Intensive Datenerhebung durch Untersuchungen
Zielgruppe dieser klinischen Forschungsstudie sind Erwachsene im Alter zwischen 40 und 80 Jahren, deren Gehfähigkeit aufgrund von Claudicatio intermittens-Symptomen (siehe Abschnitt Schaufensterkrankheit: ernstzunehmende Gefahr!) seit mindestens sechs Monaten eingeschränkt ist. Patienten mit einem akuten arteriellen Verschluss oder mit arteriosklerotischen Veränderungen, die auf eine immunologische oder entzündliche Ursache zurückzuführen sind, können nicht in diese Studie eingeschlossen werden. Jeder Studienpatient wird zwei Jahre an der klinischen Forschungsstudie teilnehmen. Im ersten Jahr werden acht ambulante Untersuchungen vorgenommen, im zweiten Jahr sind nochmals zwei Untersuchungstermine geplant.
Aufgrund der strengen Richtlinien bei der Durchführung von klinischen Studien, insbesondere von Gentherapie-Studien, werden bei den Patienten vor der Aufnahme in diese Studie einige wichtige Untersuchungen durchgeführt, um Erkrankungen, insbesondere Krebsleiden, auszuschließen.
Mit Ergebnissen der Studie ist ab 2008 zu rechnen. In den USA und Europa werden etwa 300 Patienten, davon 70 in Europa, an dieser klinischen Prüfung teilnehmen. Karlsbad-Langensteinbach
ist neben Berlin und Münster eines von drei deutschen Zentren, die an der neuen Gentherapie-Studie mitarbeiten.
Schaufensterkrankheit: ernstzunehmende Gefahr!
Claudicatio intermittens, allgemein bekannt unter dem harmlos anmutenden Namen Schaufensterkrankheit, ist eine sehr ernste und häufig auftretende periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK). Etwa jeder Zehnte in der Bevölkerung leidet ab dem 55. Lebensjahr an Verengungen der Arterien im Bereich der Becken- und Beinregion. Die PAVK ist zwar keine typische Alterserkrankung, sie tritt allerdings im Alter häufiger auf. Bei den über 65-Jährigen sind etwa 20 Prozent betroffen, in der Altersgruppe 80+ schon mehr als ein Drittel.
Die Prognose für die erkrankten Patienten lässt erkennen, wie wichtig eine kompetente medizinische Behandlung ist:
- Jeder fünfte verschlusskranke Patient verstirbt innerhalb der nächsten fünf Jahre.
- Die allgemeine Lebenserwartung ist bei Patienten mit einer arteriellen Verschlusskrankheit um zehn Jahre vermindert.
- Die Sterblichkeitsrate ist doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
- Über 75 Prozent aller Patienten sterben an den Folgen von Herz-, Kreislauf-Erkrankungen,
insbesondere am Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Für Fragen zur Studie steht Ihnen Frau Ruck gerne zur Verfügung:
Telefon: +49 (0) 72 02 / 61 - 35 11
Email: Heike.Ruck@kkl.srh.de