Grafische Darstellung einschalten

Ärztezeitung

18.09.2003

Jeder fünfte Ältere beim Hausarzt hat eine AVK

Erste Ergebnisse einer großen Praxisstudie / Oft fehlen die für arterielle Verschlußkrankheit typischen Beschwerden

BADEN-BADEN (grue). Etwa 18 Prozent der älteren Patienten in Hausarztpraxen haben eine arterielle Verschlußkrankheit (AVK), aber nur elf Prozent haben typische Claudicatio-Beschwerden. Das belegen erste Ergebnisse einer Praxisstudie zur AVK-Häufigkeit in Deutschland.

"Wir wissen jetzt, daß AVK-Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben und sollten uns daher noch mehr um die Früherkennung bemühen", sagte Professor Curt Diehm vom Klinikum Karlsbad. Zur Diagnostik der AVK, die offenbar häufig keine Beschwerden verursacht, habe sich der Knöchel-Arm-Index als einfaches und nicht-invasives Verfahren bewährt, so Diehm bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie in Baden-Baden.

In die Praxisstudie mit dem Akronym getABI (german epidemiological trial on Ankle-Brachial Index), die von Sanofi-Synthelabo unterstützt wurde und die Diehm bei einer Veranstaltung des Unternehmens vorgestellt hat, sind 6880 Patienten über 65 Jahre aufgenommen worden. Bei den Patienten aus 344 Hausarztpraxen wird nun gezielt nach einer AVK und vaskulären Risikofaktoren gesucht. Dafür wird über drei Jahre mehrfach der Knöchel-Arm-Index (ABI) dopplersonographisch bestimmt.

In der Studie werden auch typische AVK-Beschwerden wie Claudicatio intermittens und die Häufigkeit sekundärpräventiver Maßnahmen wie die Behandlung mit Thrombozyten-Funktionshemmern (etwa Plavix¨, das als Wirkstoff Clopidogrel enthält) erfaßt. Um die Folgen einer AVK abschätzen zu können, wird das relative Risiko für Tod und ischämische Ereignisse von Patienten mit und ohne AVK dokumentiert.

Die Ergebnisse nach einem Jahr: Fast jeder fünfte Studienteilnehmer hat eine AVK, von den über 80jährigen sogar jeder vierte. Zwei von drei AVK-Patienten wußten vor der ABI-Bestimmung nicht von ihrer Krankheit, und nur etwa jeder zehnte hat typische AVK-Beschwerden.

Bei den AVK-Patienten ist der Anteil derer, die Diabetes, Hypertonie oder Fettstoffwechselstörungen haben, höher als jenen ohne AVK. 20 Prozent der AVK-Patienten hatten schon ein atherothrombotisches Ereignis, zehn Prozent eine zerebrovaskuläre Komplikation.

Im ersten Studienjahr starben 1,3 Prozent der Teilnehmer, dabei war die Sterblichkeit von Patienten mit AVK dreimal höher als die der Patienten ohne AVK. Die kardiovaskuläre Mortalität (insgesamt 0,5 Prozent) war bei AVKsogar fünffach erhöht (0,3 Prozent versus 1,5 Prozent).

Artikel im PDF-Format herunterladen

Zurück zur Übersicht



Seitenanfang


Flagge Umschalter deutsch Flagge Umschalter englisch