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Ärztezeitung

28.05.2003

Verheerende Folgen für Gefäß-Kranke

Von Curt Diehm

Die Deutsche Gefäßliga fühlt sich als Patientenorganisation verpflichtet, aus gegebenem Anlaß gegen die geplante Arzneimittel-Positivliste vorzugehen. Grund ist die beabsichtigte Streichung essentieller Medikamente zur Behandlung weit verbreiteter Gefäßleiden. Für die große Gruppe von Patienten mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit (PAVK) hat die angestrebte neue Regelung fatale Konsequenzen.

Bisher werden leichtere Krankheitsstadien der PAVK (Schmerzen beim Gehen) erfolgreich mit Gefäßtraining und/oder Tabletten (Naftidrofuryl) beziehungsweise Infusionen (Prostaglandin E1) behandelt. In den fortgeschrittenen Stadien III und IV der Erkrankung (Ruheschmerz, Geschwüre) wird zunächst die Möglichkeit operativer Maßnahmen geprüft. Bei etwa der Hälfte aller Patienten kommen diese nicht in Betracht oder sie haben keinen Erfolg gezeigt. Dann läßt sich durch eine Pharmakotherapie bei vielen Patienten trotzdem noch eine Besserung ihrer Beschwerden erzielen und die drohende Amputation abwenden.

Zur Zeit steht als einziges zugelassenes Medikament für Patienten in schweren PAVK-Stadien nur Prostaglandin E1 zur Verfügung. Klinische Studien wie auch langjährige praktisch-klinische Erfahrungen zeigen, daß eine Prostaglandin E1-Therapie den Ruheschmerz beseitigt, Geschwüre abheilt und die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert. Ein ganz wesentlicher Punkt ist nicht zuletzt, daß sich Amputationen dadurch häufig vermeiden lassen.

Um so unbegreiflicher ist es, daß diese wirksamen und gut verträglichen Medikamente nun ersatzlos gestrichen werden sollen. Damit enthält die geplante Arzneimittel-Positivliste für PAVK-Kranke kein einziges erstattungsfähiges Arzneimittel. Im Klartext: Kassenpatienten wird die dringend notwendige und bewiesenermaßen wirksame Therapie vorenthalten.

Bei nüchterner Betrachtung sind die absehbaren Konsequenzen der neuen Regelung verheerend: Häufigkeit und Schwere der Gefäßerkrankungen werden drastisch zunehmen, die Anzahl der Operationen und Amputationen infolgedessen erheblich steigen.

Ganz abgesehen von den katastrophalen Folgen für das Schicksal jedes einzelnen Patienten dürfte auch der damit verbundene finanzielle Aufwand die vermeintlich eingesparten Arzneimittelkosten bei weitem übersteigen. Folglich ist mit der beabsichtigten Einführung der Arzneimittel-Positivliste der Weg in neue gesundheits- und finanzpolitische Debakel vorgezeichnet.

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