Ärztezeitung
17.09.2002
Bei Eiweiß im Urin sollten Diabetiker auf Herz und Nieren geprüft werden
Bei positivem Test auf Albumin im Harn drohen Organschäden / AT1-Blocker ist sinnvoll
DRESDEN (ner). Patienten mit Diabetes mellitus, koronarer Herzkrankheit (KHK), arterieller Verschlußkrankheit (AVK) oder Nierenfunktionsstörungen haben eines gemeinsam: Ihre Gefäße sind in Gefahr. Das muß bei Diagnostik und Therapie beachtet werden. Diabetiker haben zudem oft mehrere der genannten Erkrankungen.
Zwei von drei Diabetikern sterben an akuten ischämischen Ereignissen. Von den 4,5 Millionen Deutschen mit AVK sind mehr als eine Millionen Diabetiker. Und: Jeder zweite Patient mit Claudicatio intermittens hat auch eine KHK, wie Professor Diethelm Tschöpe aus Düsseldorf beim Diabetes-Kongreß in Dresden berichtet hat. Selbst Diabetiker mit unauffälligem koronarangiographischem Befund hätten oft eine eingeschränkte koronare Flußreserve, so Tschöpe bei einer vom Unternehmen Sanofi-Synthelabo unterstützten Veranstaltung. Zur Beurteilung der Gefäßsituation sei daher der Test auf Albumin im Urin geeigneter als die Koronarangiographie, so Tschöpe. Denn Mikroalbuminurie ist ein Frühzeichen von Gefäßschäden.
Gerade bei Patienten mit hohem KHK-Risiko sollte einmal im Jahr der Urin auf Eiweiß überprüft werden, rät Professor Hermann Haller aus Hannover. Spätestens bei einer Mikroalbuminurie, gelte es, auch andere Organe wie Augen, Nieren und Herz auf Mikrozirkulationsstörungen hin zu untersuchen.
Ein einfacher Test zum Ausschluß einer AVK ist die Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes. Mittels Doppler wird der systolische Blutdruck an Fuß oder Unterschenkel gemessen und durch den am Arm gemessenen systolischen Druck geteilt. Ein Wert von unter 0,9 sei beweisend für eine AVK, so Professor Curt Diehm aus Karlsbad. Die AVK sei oft symptomlos. Die Inzidenz der AVK sei in Deutschland mit 22 Prozent aber viel höher als bisher angenommen, wie erste Daten einer Studie mit fast 7000 Menschen ergeben haben. Um Gefäßschäden bei hypertonen Diabetikern vorzubeugen, sind etwa ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten wichtig.
Nun sei auch für Typ-2-Diabetiker mit Hypertonie erwiesen, daß AT1-Blocker wie Irbesartan (vom Unternehmen als AprovelTM angeboten) einer diabetischen Nephropathie nicht nur vorbeuge, sondern eine terminale Niereninsuffizienz bei Nephropathie signifikant verzögere, so Professor Eberhard Ritz aus Heidelberg. In der IDNT- und IRMA-2-Studie war mit 300 mg Irbesartan täglich bei Mikroalbuminurie die Rate für einen Übergang in eine manifeste Nephropathie um 70 Prozent reduziert worden. Patienten mit Nephropathie erreichten mit dem AT1-Blocker signifikant seltener den kombinierten Studienendpunkt aus terminaler Niereninsuffizienz, Verdopplung des Serum-Kreatinins oder Tod.
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