Ärztezeitung
23.07.2001
Immobile Patienten brauchen Thrombose-Schutz
Unverzichtbar sind Bewegungsübungen und Kompressionsstrümpfe / Bei hohem Risiko wird zu Heparin geraten
Patienten mit Thrombose in der Anamnese oder Thrombophilie sowie bettlägerige Patienten mit kardialer Dekompensation oder auch schweren Infektionen, Schlaganfall oder Malignom gehören zu den Hochrisikogruppen für Thrombosen. In der Klinik bekommen sie daher medikamentösen Thromboseschutz.
Wenn die gleichen Patienten jedoch zu Hause versorgt werden, dann gibt es für sie bisher keine klaren Empfehlungen zur Thrombose-Prävention. Unbestritten ist, daß alle immobilen Patienten eine physikalische Prophylaxe mit Bewegungstherapie und Kompressionsstrümpfen erhalten sollten. Über Medikamente sollte zumindest dann verschärft nachgedacht werden, wenn ein Patient einen Gerinnungsdefekt hat wie eine APC-Resistenz oder wenn er bereits eine Thrombose gehabt hat.
Doch welche Thrombose-Prophylaxe ist bei älteren, pflegebedürftigen Patienten geeignet? Professor Curt Diehm, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin/Angiologie am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach empfiehlt ein niedermolekulares Heparin, und zwar 4000 bis 5000 AntiXaEinheiten einmal täglich subkutan. Niedermolekulare Heparine wie Certoparin (Mono-Embolex¨), Dalteparin (Fragmin¨), Enoxaparin (Clexane¨), Nadroparin (Fraxiparin¨), Reviparin (Clivarin¨) und Tinzaparin (innohep¨) seien gerade für Patienten in häuslicher Pflege von Vorteil. Sie sind einfach zu handhaben und eine Kontrolle der antikoagulatorischen Aktivität ist nicht erforderlich.
Enoxaparin ist als einziges niedermolekulares Heparin auch speziell zur Primärprophylaxe tiefer Venenthrombosen bei Patienten zugelassen, die nicht operiert werden, aber dennoch ein mittleres oder hohes thromboembolisches Risiko haben bei akuten, schweren internistischen Erkrankungen (Herzinsuffizienz Grad III oder IV, respiratorische Erkrankungen), die eine weitgehende Bettlägerigkeit zur Folge haben.
Für unverzichtbar hält Diehm die Therapie mit Antithrombosestrümpfen, es sei denn, der Patient hat eine schwere AVK, Druckulzera oder er ist Diabetiker mit peripheren Durchblutungsstörungen. Durch Antithrombosestrümpfe allein werde die Rate der tiefen Beinvenenthrombosen etwa halbiert.
(eis/ikr)
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