Ärztezeitung
05.07.2000
Pflegepatienten brauchen Thromboseschutz
Alte, pflegebedürftige Patienten sind stark gefährdet, eine tiefe Venenthrombose (TVT) zu entwickeln. Zu den Risikofaktoren gehören außer Alter und Immobilität, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Thromboembolie in der Anamnese sowie Malignome. Zehn bis 24 Prozent der TVT-Patienten sterben daran. Jeder dritte Patient mit Venenthrombose entwickelt binnen fünf Jahren ein postthrombotisches Syndrom, jeder vierte davon ein Ulcus cruris, sagt Professor Curt Diehm, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach.
Die für Hochrisiko-Patienten weniger schmerzhafte und nach Einschätzung von Phlebologen wohl auch kostengünstigere Alternative zu den Spätfolgen ist eine effektive Prophylaxe. Doch welche Patienten sollten sie bekommen? "Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen wäre bei allen chronisch kranken Patienten, die pflegebedürftig sind, eine dauerhafte Thrombose-Prophylaxe erforderlich", so Diehm. Damit meint der Internist immobile, bettlägerige Patienten, Schlaganfall-Patienten, die halbseitig gelähmt sind, Patienten mit Herzinsuffizienz im NYHA Stadium III und IV sowie Patienten im Rollstuhl und Krebskranke. Zur Thrombose-Prophylaxe bei älteren, pflegebedürftigen Patienten gibt es allerdings keine klaren Richtlinien.
Welche Thrombose-Prophylaxe ist bei älteren, pflegebedürftigen Patienten geeignet? Diehm empfiehlt ein niedermolekulares Heparin, und zwar in einer Dosierung von 4000 bis 5000 Anti-Xa-Einheiten einmal täglich subkutan. Niedermolekulare Heparine wie Certoparin, Dalteparin, Enoxaparin, Nadroparin, Reviparin und Tinzaparin seien gerade bei der häuslichen Pflege von Vorteil. Sie sind einfach zu handhaben, und eine Kontrolle der antikoagulatorischen Aktivität ist nicht erforderlich.
Unverzichtbar ist für Diehm die Kompressionstherapie mit Antithrombosestrümpfen - es sei denn der Patient hat eine schwere AVK, Druckulzera oder aber er ist Diabetiker mit peripheren Durchblutungsstörungen oder diabetischem Fuß. Durch Antithrombosestrümpfe allein werde die Rate der tiefen Beinvenenthrombosen etwa halbiert. Antithrombosestrümpfe nutzen aber nur dann, wenn die Größe stimmt und wenn sie gut sitzen. Statt der bis zum Oberschenkel reichenden Strümpfe werden zunehmend Unterschenkelstrümpfe empfohlen. Sie hätten sich als beinahe ebenso effektiv erwiesen. (eis/ikr)
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