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Ärztezeitung

26.06.2000

Wie die Medikation bei CVI aussieht

Die Kompression ist das A und O jeder Behandlung bei Venenerkrankungen. Das lernt jeder Medizinstudent. Aber was der Arzt für die wichtigste konservative Maßnahme bei der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) hält, ist bei den Patienten meist sehr unbeliebt. Nur etwa ein Drittel aller Patienten, denen der Arzt Kompressionsstrümpfe verordnet hat, tragen sie auch, schätzt Professor Curt Diehm aus Karlsbad.

Ist eine medikamentöse Therapie mit Ödemprotektiva eine Alternative zur Kompressionsbehandlung? Nein, Venenmittel können eine Kompressionsbehandlung nie ersetzen, betont Diehm. Sie sollten im Stadium I und II der CVInur dann alternativ eingesetzt werden, wenn der Strumpf nicht getragen werden kann.

Das gilt etwa für Patienten mit einer peripheren arteriovenösen Verschlußkrankheit, bei denen der Kompressionsstrumpf kontraindiziert ist, oder für Rheumatiker und multimorbide Patienten, die sich gar nicht tief genug herunterbeugen können, um den Strumpf anzuziehen und mit den Anziehhilfen nicht zurechtkommen.

Als Zusatzmedikation zur Kompressionstherapie leisten die unter dem Begriff Ödemprotektiva zusammengefaßten Präparate gute Dienste. Das gilt für den Roßkastaniensamenextrakt (RKSE) und die Rutoside, deren Wirksamkeit in mehreren wissenschaftlichen Studien überprüft worden ist. RKSE wirkt direkt venentonisierend, hemmt die Aktivität proteoglykanabbauender Enzyme und verbessert die venöse Hämodynamik.

Präparate, die den auf Aescin standardisierten Roßkastaniensamenextrakt in ausreichender Dosierung enthalten, können das Anschwellen der Beine in frühen CVI-Stadien genausogut verhindern wie ein Kompressionsstrumpf der Klasse II.

Dies konnte Diehm in einer plazcebokontrollierten Untersuchung an 240 Patienten mit CVI im Stadium II zeigen. Der Phlebologe verordnete den Patienten entweder das Tragen von Kompressionsstrümpfen der Klasse II nach einwöchiger Ödemausschwemmung mit Diuretika oder behandelte sie 12 Wochen lang mit zwei mal 50 Milligramm standardisiertem retardiertem RKSE oder mit Placebo. Das Ergebnis: Unter Diuretika und Kompressionsstrümpfen nahm das Ödemvolumen um durchschnittlich 50 Milliliter ab, wobei die maximale Ödemreduktion bereits nach vier Wochen erreicht wurde und dann konstant blieb.

Unter einer alleinigen RKSETherapie ging das Ödem langsamer aber im Laufe der Behandlung genauso gut zurück. Beide Behandlungsformen waren dabei signifikant wirksamer als Placebo.

Auch Präparate, die die Rutoside Oxerutin oder Troxerutin enthalten, wirken ödemprotektiv. Nachgewiesen ist, daß Rutoside unter anderem membranstabilisierend am Gefäßendothel und dadurch antiexsudativ und antiödematös wirken.

In einer kontrollierten Untersuchung an 120 CVI-Patienten wurde der Wirkstoff Oxerutin in Kombination mit einer Kompressionstherapie getestet. Dabei zeigte sich, daß die durch Kompression und Oxerutin erzielte Ödemprotektion nach drei Monaten fast doppelt so hoch war wie durch die Kompression alleine.

In einer Studie mit 260 Patienten neu geprüft wurde kürzlich der Trokkenextrakt AS 195 aus rotem Weinlaub - mit guten Ergebnis, so Professor Holger Kiesewetter aus Berlin. Das Unterschenkel-Volumen der Verum-Patienten hatte im Vergleich zur Kontrolle signifikant abgenommen.

Venentonisierende Effekte sind auch für den Mäusedorn belegt, der wie RKSE zu den Saponinen zählt. Cumarinderivate aus Honigklee oder Waldmeister verbessern den Lymphfluß und sollen so antiödematös wirken. Voraussetzung der erfolgreichen Therapie ist, daß die Medikation ausreichend lang und hochdosiert eingenommen wird. Das heißt für RKSE zwei mal 50mg Aescin täglich, am besten in retardierter Form oder zwei mal 500 mg Oxerutin pro Tag. (SAW)

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