Ärztezeitung
27.07.1999
PAVK wird auch "Kleine Schwester" der koronaren Herzkrankheit genannt
Die periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK) wird immer wieder auch als "kleine Schwester der KHK" bezeichnet. Daß diese enge Verwandtschaft wirklich existiert, machen epidemiologische Daten deutlich: Danach besteht das größte Risiko für PAVK-Patienten nicht dar-in, ein Bein zu verlieren, sondern an einer kardiovaskulären Ursache zu sterben.
Nach Angaben von Professor Curt Diehm aus Karlsbad läßt sich bei bis zu 90 Prozent der Patienten mit Claudicatio intermittens angiographisch auch eine koronare Herzerkrankung nachweisen. Dies belegen Daten aus der Cleveland Clinic, die der deutsche Angiologe beim letztjährigen Kongreß der American Heart Association (AHA) in Dallas vorgestellt hat. Patienten mit PAVK haben ein vier- bis sechsfach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Ihre Sterberate liegt etwa um das Dreifache über der Mortalitätsrate der übrigen Bevölkerung gleichen Alters.
Die KHK-Prävalenz scheint dabei proportional zur Schwere der peripheren Verschlußkrankheit zuzunehmen, wie Diehm sagte. Er bemängelte, daß die PAVK in der Praxis immer noch "unterdiagnostiziert" sei und als kardiovaskulärer Risikofaktor sehr stark unterschätzt werde.
Der Angiologe sprach sich daher dafür aus, bei Patienten mit Hinweisen auf eine PAVK das gesamte Herzkreislaufsystem gründlich und systematisch zu überprüfen und bestehende Risikofaktoren "aggressiv anzugehen". Außer Nikotinabstinenz und einer cholesterinsenkenden Therapie sei dabei vor allem auch die antithrombotische Prävention von großer Bedeutung. In der CAPRIE-Studie hat sich der ADP-Rezeptor-Antagonist Clopidogrel bei den teilnehmenden PAVK-Patienten ebenso wie in den anderen Teilgruppen, nämlich den Patienten nach einem Myokardinfarkt oder nach ischämischem Insult, im Vergleich zu ASS als signifikant wirksamer erwiesen. Insgesamt war es mit Clopidogrel gelungen, so Diehm, das relative Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis bei diesen Patienten um 23,8 Prozent stärker zu senken als mit ASS.
Eine ebenfalls in Dallas präsentierte Berechnung des Unternehmens Caro Research in Concord im US-Staat Massachusetts läßt sogar den Schluß zu, daß im Praxisalltag die Differenz zwischen den beiden Plättchen-Aggregationshemmern noch größer sein könnte als unter Studienbedingungen. Denn berücksichtigt man das höhere Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko der Patienten, lassen sich durch Clopidogrel zusätzlich zu den 24 nach den CAPRIE-Daten berechneten, noch zwölf weitere Ereignisse pro Jahr und 1000 Patienten verhindern. (bös)
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