Ärztezeitung
27.07.1999
Chronische periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK) / Diagnostik / 80 bis 90 Prozent der PAVK-Patienten sind Raucher
Der Hauptrisikofaktor für eine PAVK ist das Tabakrauchen
Mit einem Anteil von über 50 Prozent sind Gefäßkrankheiten die häufigsten Erkrankungen in den Industriestaaten. Die periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK) hat daran einen Anteil von knapp 18 Prozent. Im Gegensatz zur akuten ist bei der chronischen PAVK -und um die geht es hier - die Stenosierung der Gefäße ein schleichender Prozeß. Der wichtigste Risikofaktor für die Erkrankung ist das inhalative Tabakrauchen. 80 bis 90 Prozent der Patienten sind Raucher. Zweiter Hauptrisikofaktor ist der Diabetes.
Periphere arterielle Verschlußkrankheit
Beinbeschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen oder Gefühlsstörungen sind - vor allem bei älteren Patienten - in der Praxis eine häufige Klage. Außer degenerativen Gelenkveränderungen und peripheren Neuropathien gehört die periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK) zu den häufigsten Ursachen dieser Beschwerden. Obwohl die Differentialdiagnostik eigentlich nicht allzu schwierig ist, werden nach den Er-fahrungen von Professor Gottfried Rudofsky hier häufig Fehler gemacht.
Nach Aussage des Essener Angiologen werden etwa 50 Prozent der Patienten mit PAVK in der Praxis wegen eines angeblichen orthopädischen Leidens behandelt. Zugleich gebe es etwa gleich viele Patienten, die eigentlich orthopädische Probleme hätten, aber als PAVK-Patienten fehldiagnostiziert seien.
Die Anamnese allein erlaubt "keine sichere Unterscheidung", so Dr. Manfred Grampp, niedergelassener Internist in Sinzheim. Mehr Klarheit bringe dagegen die Dopplerdruckmessung der Extremitätenarterien, etwa mit einem Taschendopplergerät. Damit läßt sich eine PAVK mit über 90prozentiger Sicherheit diagnostizieren.
Gemessen wird im Liegen, wobei eine Blutdruckmanschette am distalen Unterschenkel angelegt wird. Die Dopplersonde wird ohne Druck auf die Haut über der getasteten Arteria tibialis posterior und dann auf die Arteria dorsalis pedis aufgesetzt.
Nach Ablassen des suprasystolischen Manschettendruckes wird das Auftreten des Doppler-Geräusches als systolischer arterieller Druck registriert.
Auf die gleiche Weise wird die Arteria brachialis gemessen.
Um Verfälschungen durch Druckschwankungen zu vermeiden, wird der tibiobrachiale Index als Quotient aus dem Druck der A. tibialis posterior und dem Druck der A. radialis (jeweils in mmHg) gebildet. Beim Gesunden liegt der Knöchelarteriendruck etwa zwischen zehn und 20 mmHg über dem Radialisdruck. Normal sind daher Indexwerte, die über 1,0 liegen. Eine PAVK ist ab einem Index von unter 0,8 wahrscheinlich. Als grenzwertig werden die Indexwerte dazwischen betrachtet; bei diesen Patienten ist nach Angaben von Grampp eine wiederholte Messung nach Belastung - etwa nach 30 Zehenständen im Sekundentakt - angebracht. Sinkt danach der Index unter 0,8, besteht wahrscheinlich eine PAVK. Bleiben die Werte zwischen 0,8 und 1,0 könnte sich es um eine Frühform der PAVK handeln, so der Experte.
Eine Angiographie ist übrigens nach Ansicht von Angiologen in der Regel nur notwendig, wenn bei Patienten ein Eingriff geplant ist - also vor allem im Stadium III und IV der PAVK.
Geklärt werden muß natürlich auch in der Anamnese, ob die Schmerzen belastungsabhängig sind. Zur Diagnostik gehört auch, die schmerzfreie Gehstrecke zu bestimmen. Zudem sollte nachgefragt werden, ob sich die Beschwerden bei Ruhe bessern und ob sie akut oder langsam begonnen haben. Bei akutem Beginn ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß es sich um eine Embolie handelt.
Außerdem muß nach Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und der Einnahme von Medikamenten gefahndet werden. Rauchen die Patienten? Haben sie eine Hypertonie, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen?
Experten wie der Karlsbader Angiologe Professor Curt Diehm empfehlen, Patienten mit PAVK stets auch gründlich kardiologisch zu untersuchen, denn bei etwa 70 Prozent der PAVK-Patienten besteht gleichzeitig eine KHK oder eine extrakranielle Verschlußkrankheit. Übrigens, so Diehm, lohnt sich bei diesen Patienten häufig auch eine Bauchsonographie: Denn auch Aortenaneurysmen sind ein häufiger Befund. (bös)
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